18.12.2019      Bauen   

Bauwirtschaft blickt auf ein solides Jahr 2020: Umsatzwachstum um 5,5 % erwartet / Wohnungsbau: + 7 % // Wirtschaftsbau: + 5,5 % // Öffentlicher Bau: 4 %

Von ZDB Zentralverband Dt. Baugewerbe
Berlin (ots) - "Insgesamt rechnen wir in 2020 mit einem Umsatzwachstum im
Bauhauptgewerbe von 5,5 % auf 145 Mrd. Euro. Die Dynamik der Preisentwicklung
für Bauleistungen hat sich im Jahresverlauf 2019 von knapp +6 % auf +4,5 %
abgeschwächt. Davon gehen wir auch in 2020 aus, sodass der Umsatz in 2020 real
um 1 % wachsen wird. Der Fachkräftebedarf der Bauunternehmen ist weiter hoch.
Wir rechnen mit einem Personalbestand von 870.000 Beschäftigten im
Jahresdurchschnitt (+1,5 %)." Dieses ist die Einschätzung der Präsidenten des
Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, und des Zentralverbands
Deutsches Baugewerbe, Reinhard Quast, anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz
heute in Berlin. Für 2019 rechnen die beiden Verbände mit einem Umsatzwachstum
im Bauhauptgewerbe von 8,5 % auf 137,2 Mrd. Euro, nach einer Steigerung im
Vorjahr von gut 11 % auf 126,6 Mrd. Euro. Da die Baupreise im Jahresdurchschnitt
um 5,5 % gestiegen sind, liegt das preisbereinigte (also reale) Umsatzwachstum
im Bauhauptgewerbe damit bei +3 %.

Wohnungsbau

ZDB-Präsident Quast erläuterte, dass die Grundpfeiler im Wohnungsbau weiter
stabil seien. Das betreffe insbesondere die hohe Erwerbstätigkeit, reale
Einkommenszuwächse, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen sowie eine
weiterhin hohe Binnenwanderung in die Ballungsgebiete. Um Planungssicherheit für
die Unternehmen zu schaffen, müssten langfristige Impulse gesetzt werden, wie
die dauerhafte Erhöhung der Afa von 2 % auf 3 %. Denn sowohl das Baukindergeld
wie auch die Sonder-Afa setzten nur kurzfristige Impulse. Um bezahlbaren
Wohnraum in den Ballungsgebieten zu schaffen bedürfe es verstärkter
Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. "Mietendeckel und Mietpreisbremsen
sind vor allem auch Investitionsbremsen. Denn Investoren gehen dorthin, wo die
Rahmenbedingungen gut sind."

Vor diesem Hintergrund erwarten die Bauverbände einen Umsatz im Wohnungsbau von
ca. 54,2 Mrd. Euro, nach knapp 51 Mrd. Euro in 2019 (+7 %). "Wir gehen für 2020
von der Fertigstellung von ca. 310.000 Wohnungen aus. Bis zum Oktober 2019
wurden für insgesamt fast 290.000 Wohnungen Baugenehmigungen erteilt, genauso
viele wie im Vorjahr," so HDB-Präsident Hübner.

Wirtschaftsbau

Für den Wirtschaftsbau prognostizierten Bauindustrie und Baugewerbe eine
ambivalente Entwicklung: Während die (Hoch)-Baugenehmigungen bei Fabrik- und
Werkstattgebäuden seit drei Monaten rückläufig sind, zeigen die Baugenehmigungen
für Lager- und Handelsgebäude sowie Büro- und Verwaltungsgebäude aufsteigende
Tendenz. Die stabile Entwicklung bei den Handels- und Lagergebäuden ist vom
privaten Konsum angetrieben.

Einen positiven Trend sehen die Verbände im Wirtschaftstiefbau: Die monatlichen
Auftragseingänge liegen hier seit Ende des ersten Quartals 2019 im
Vorjahresvergleich kumulativ stabil bei +10 %. Damit ist die Reichweite der
Aufträge deutlich angestiegen. "Dieses führen wir vor allen Dingen auf die
Investitionen für Bahnstrecken, Brücken- und Tunnelbauten der Deutschen Bahn
zurück. Der Bundeshaushalt sieht hier für das kommende Jahr noch einmal eine
Erhöhung der Investitionszuschüsse um 1,1 Mrd. Euro auf 6,6 Mrd. Euro (+18 %)
vor," so Hübner.

Auch deswegen prognostizieren die beiden Verbände im Wirtschaftsbau für 2020
insgesamt einen Umsatz von ca. 51,3 Mrd. Euro; nach 48,6 Mrd. Euro in 2019;
(+5,5 %).

Öffentlicher Bau

Die Bauverbände begrüßten die Investitionsoffensive im Bereich der
Bundesfernstraßen ausdrücklich und forderten weiterhin eine Verstetigung der
öffentlichen Investitionen. "Denn die aufgrund der Bauoffensive erlebbaren
Baustellen und damit einhergehen Stau- und Wartezeiten wären mit einer
bedarfsgerechten Finanzausstattung in früheren Jahren vermeidbar gewesen,"
monierte Quast. "Mit rund 17 Mrd. Euro pro Jahr, davon über 10 Mrd. Euro für
Straße und Wasserstraße, kann es gelingen, dem Wirtschaftsstandort Deutschland
wieder eine adäquate Infrastruktur zu verschaffen. Dies ist an sich ein Signal
der Planungssicherheit für unsere Bauunternehmen."

Allerdings warnte Hübner davor, das Vertrauen der Bauunternehmen auf
langfristige Investitionen zu zerstören, indem sich die Länder im Hinblick auf
die Gründung der Autobahn GmbH vom Markt zurückziehen und keine Ausschreibungen
mehr veröffentlichen. "Kapazitätsaufbau braucht stabile Rahmenbedingungen."
Hübner weiter: "Es ist uns besonders wichtig, dass der Übergang von der
Auftragsverwaltung der Länder zurück zum Bund, zur Autobahn GmbH, reibungslos
gestaltet wird. Wir benötigen eine verstetigte Vergabe durch die
Auftragsverwaltung der Länder - und zwar bis zum 31. Dezember 2020 - und keinen
Tag weniger."

Insgesamt erwarten die Bauspitzenverbände im öffentlichen Bau für 2020 einen
Umsatz von ca. 39,5 Mrd. Euro; nach 38 Mrd. Euro in 2019; (+4 %).

Beschäftigung

Die Bauwirtschaft hat ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren stark
ausgeweitet und tut dieses auch weiterhin. So konnten per 31.12.2018 14.061 neue
Ausbildungsverträge abgeschlossen werden (+8,6 %). Das war bereits der fünfte
Anstieg in Folge. Ein Bauingenieurstudium haben im Wintersemester 2019/2020
wiederum knapp 11.000 Studentinnen und Studenten aufgenommen.

Der Personalzuwachs im Bauhauptgewerbe wird auch durch ausländische Arbeitnehmer
generiert. So ist der Anteil ausländischer sozialversicherungspflichtiger
Arbeitnehmer an allen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern nach Daten
der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Bauhauptgewerbe von ca. 8 % im Jahr 2008
auf ca. 20 % angestiegen. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat mittlerweile einen
ausländischen Pass. "Über 80 % kommen dabei aus den mittel- und
südosteuropäischen Ländern. Hier spielt die sog. Westbalkan-Regelung eine
herausragende Rolle. Es ist für uns wichtig, dass die Westbalkanregelung über
2020 hinaus verlängert wird. Denn das Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet für
berufserfahrene Arbeitnehmer keine Möglichkeit, auch nur befristet, auf den
deutschen Arbeitsmarkt zu kommen," forderte Quast.

Pressekontakt:

Dr. Ilona K. Klein
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Kronenstr. 55-58
10117 Berlin
Telefon 030-20314-409, Fax 030-20314-420
Mobil: 0049 172 2144601
eMail klein@zdb.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/33001/4472704
OTS: ZDB Zentralverband Dt. Baugewerbe

Original-Content von: ZDB Zentralverband Dt. Baugewerbe, übermittelt durch news aktuell
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